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Experteninterview: Florian Kehl (Audi charging hub)

Florian Kehl ist seit Oktober 2020 Projektmanager bei Audi im Projekt Audi charging hub und hat die Idee der Audi charging hubs bei Audi mitbegründet. Dabei handelt es sich um ein Konzept, um das Schnellladen von Elektrofahrzeugen im urbanen Raum bequemer zu gestalten. Das Konzept unterscheidet sich dabei sowohl in der User Experience, der Technik als auch dem Design deutlich von bestehenden Lösungen.

Welche Erfahrungen hast Du bereits im Mobilitätssektor gesammelt?

Ich bin seit 2012 bei der AUDI AG und seit 2017 im Elektromobilitätsbereich tätig. Der Fokus war und ist hierbei stets das öffentliche Laden, insbesondere das Schnellladen, auch High Power Charging (HPC) genannt.

Was zeichnet einen Audi charging hub aus, wofür steht Ihr?

Mit einem Audi charging hub wollen wir das Schnellladen mit hohen Ladeleistungen in die Städte bringen. Dort scheitert dies aktuell meist an zwei Dingen: der verfügbaren Fläche sowie dem nötigen Netzanschluss. Mit dem Audi charging hub lösen wir beide Punkte auf elegante Art und Weise.

Zum einen benötigen wir keinen aufwändigen wie kostspieligen Tiefbau oder Fundamente, sondern setzen einfach auf vorhandene befestigte Parkflächen wie Parkplätze auf. Zum anderen beinhalten unsere sogenannten Power Cubes große Batteriespeicher aus 2nd Life Batteriemodulen früherer Erprobungsfahrzeuge. Damit können wir auf den sonst nötigen Mittelspannungsanschluss verzichten und schließen den Hub direkt ans verbreitete Niederspannungsnetz an.

Seit wann gibt es Audi charging hub und was sind Eure größten Erfolge im letzten Jahr?

Die Power Cubes haben wir seit 2018 bei Veranstaltungen als temporäre Schnellladelösung im Einsatz. Im Oktober 2020 haben wir die Idee weiterentwickelt, um damit auch ein stationäres Laden bis 320 kW je Ladepunkt mit den genannten Vorteilen anbieten zu können. Dabei setzen wir auf ein Premium-Ladeerlebnis, welches diskriminierungsfrei auch für Menschen mit Behinderung zugänglich ist. Zusätzlichen Komfort bieten ein Schwenkarm zur vereinfachten Handhabung des Ladekabels, eine Überdachung der Ladeplätze mit Beleuchtung und ein ansprechendes Ambiente.

Der/Die Kund*in soll die im Schnitt rund 30-minütige Ladedauer nicht im Regen oder seinem Fahrzeug verbringen müssen, sondern die Zeit sinnvoll nutzen können. Hierfür wollen wir zusätzliche Services und ein Ökosystem anbieten, um die Ladeweile in sinnvoll genutzte Zeit umzumünzen. Darüber hinaus bieten wir Audi-Kund*innen eine Reservierungsmöglichkeit an, um die Themen Peak Demand, also Nachfragespitzen nach Ladepunkten, und Planungssicherheit zu adressieren und zu lösen.

In Nürnberg haben wir im Dezember 2021 unseren weltweit ersten Audi charging hub eröffnet. Neben zusätzlichen Services wie E-Scooter, einem Lieferdienst oder auch künftig einer mobilen Fahrzeugwäsche, bieten wir dort auch als Highlight eine Lounge im Obergeschoss an. Die Besucher erwarten hochwertige Gastroautomaten, ansprechende Sitzmöglichkeiten, Sanitäreinrichtungen sowie ein freies WLAN, um die Zeit so angenehm wie möglich zu verbringen. Und das kommt an… Die Kund*innen sind schlichtweg begeistert, was das direkte Feedback als auch die Anzahl stattfindender Ladevorgänge zeigt. Für die Zukunft sind auch Lösungen ohne eine Lounge denkbar, bei denen wir auf eine vorhandene Infrastruktur beim Standortpartner oder, im Fall von Parkflächen, in der direkten Umgebung zurückgreifen.

Wie seht Ihr im Team die Rolle des „PKW-Individualverkehrs“ in den nächsten fünf Jahren und in den nächsten 20 Jahren?

Darauf gibt es nicht die eine pauschale Antwort. Wir gehen davon aus, dass es eine Verschiebung zugunsten des öffentlichen oder auch geteilten Verkehrs geben könnte. Nichtsdestotrotz wird der Individualverkehr, in welcher Besitzform auch immer, weiterhin eine dominierende Rolle spielen. Wollen wir als Unternehmen und Gesellschaft die Energiewende meistern, wird das nur über die Elektromobilität funktionieren.

Genau hier wollen wir ansetzen. Stadtbewohner haben heute oftmals nicht die Möglichkeit, zuhause oder am Arbeitsplatz zu laden. Der Audi charging hub transferiert hierbei die Funktion einer Tankstelle ins Elektromobilitätszeitalter und bietet dem/der Kund*in die Möglichkeit, das Fahrzeug sehr schnell zu laden, wenn er/sie es braucht.

Wenn abends alle nach Hause kommen, dann werden in naher Zukunft alle AC-Normalladepunkte im Wohngebiet stark nachgefragt sein. Und das bis zum nächsten Morgen, wo ich eigentlich mit voller Batterie wieder losfahren möchte. Mit unserem Ansatz bieten wir dem/der Kund*in eine Alternativlösung. Wir wollen dabei Use Cases wie das Laden nebenbei oder während einer längeren Parkdauer nicht ersetzen, sondern eine Lösung anbieten, wenn ich eben schnell in der Stadt beispielsweise meinen Wochenbedarf nachladen will oder muss.

Welche Rolle spielen speziell Parkflächen oder Parkhäuser hierbei?

Dank des flexiblen Konzepts haben wir die Möglichkeit, bestehende Parkflächen in 1 bis 4 Wochen, je nachdem ob mit oder ohne Loungekonzept, in Ladeplätze umzuwandeln. Für Parkflächenbetreiber erschließen wir dabei mit dem Use Case Schnellladen eine ganz neue Kundengruppe, die den Standort sonst gar nicht angefahren hätte. Gleichzeitig können Bestandskund*innen vor oder nach ihrer Ankunft schnell laden.

Aus Eurer Sicht, wie digital ist das Parken bereits heute und was kann/sollte sich verändern?

Das Thema 24/7-Zugang spielt für das Laden eine enorm wichtige Rolle. Gleichzeitig sollten Kund*innen, die aufgrund des Schnellladens ankommen, neben dem Zutritt auch einen ermäßigten oder kostenlosen Zugang für die kurze Zeit des Schnellladens erhalten. Hierfür braucht es aus unserer Sicht digitale Lösungen. Da gibt es bei zahlreichen Parkflächen noch großes Potenzial…

Welche Anknüpfungspunkte siehst Du für Eure Lösungen im Bereich Off-Street Parken? Was möchtest Du den Lesern mitgeben?

Wir nehmen mit unserem Konzept insbesondere offene Parkflächen in den Fokus und weniger Parkhäuser oder Tiefgaragen. Der Grund ist vor allem im Verkehrsfluss zu sehen. Aus unserer Sicht ist es immer ein Kompromiss, öffentliche Schnellladeinfrastruktur mit einem hohen Durchsatz in geschlossene Parkräume zu verlagern. Befindet sich eine Freifläche vor dem Parkhaus, ist ein solcher Standort wiederum interessant. 

Interessierten Standort- oder Parkflächenbetreibern bieten wir eine Komplettlösung aus einer Hand. Das heißt, wir übernehmen die Investition, den Aufbau und den Betrieb. Über die Designsprache und die technischen Vorteile des Audi charging hub lassen sich Standorte aufwerten, gleichzeitig macht das High Power Charging ganz neue Zielgruppen zugänglich, die vorher keinen Bezug zum Standort hatten. Also eine Win-Win-Win-Situation für die Kund*innen, Standortpartner*innen und uns.

Vielen Dank für den Einblick in die Zukunft des Schnellladens!

Sehr gerne. Ich hoffe, bei vielen das Interesse geweckt zu haben. Wir freuen uns jederzeit über Ideen und Standortvorschläge. Das Projektteam ist per Mail über audicharginghub@audi.de  erreichbar.

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